FeatherShield

Eines Sonntagmorgens ertappte ich mich dabei, wie ich ein paar Zeilen vor mich hin summte: „Cry wolf, verify, verify … brain, let me be.“
Ich begleitete gerade einen Menschen mit einer Zwangsstörung und fragte mich, wie sich diese Erfahrung wohl von innen anfühlt und wie sie die eigene Wahrnehmung prägt.

Später stieß ich beim Durchsehen alter Statistiknotizen auf die Worte: „I am the Mean in between.“ Ich musste über mich selbst lachen. Und plötzlich kam mir ein Gedanke: „Was wäre, wenn wir DSM-Klassifikationen in Musik übersetzen würden?“

So begann ich vor einem Jahr, Songtexte zu schreiben. Doch das Projekt führte mich auch eine Ebene tiefer: zum Nachdenken, Recherchieren, Einfühlen und Hinterfragen – und dazu, unterschiedliche innere Erlebniswelten genauer zu erkunden.
The Journey Through the DSM** nimmt dich mit auf eine Reise durch verschiedene psychische Störungen und Persönlichkeitsstörungen. Jede Klassifikation erhält ihre eigene musikalische Interpretation, in der Gefühle, Gedanken und Erfahrungen zum Ausdruck kommen.
Das kann natürlich niemals vollständig sein. Menschen sind zu facettenreich und zu individuell, als dass sich jedes Detail abbilden ließe. Mein Ziel war und ist es jedoch, den Menschen hinter der Klassifikation gerecht zu werden.

In meine Arbeit sind auch die vielen Geschichten eingeflossen, die Menschen mit mir geteilt haben, indem sie sich mir anvertrauten. Für dieses Vertrauen bin ich immer dankbar gewesen.

Text und Musik sollten einander ergänzen und verstärken. Ich wollte spürbar machen, wie die Welt aus der Perspektive eines anderen Menschen erlebt werden kann. Und täusche dich nicht: Die Erfahrungen anderer sind unseren eigenen manchmal näher, als wir denken. In vielem können wir uns alle wiedererkennen.
Auch die Klassifikation selbst und die Frage, was es bedeutet, Menschen mit bestimmten Begriffen zu etikettieren, habe ich noch einmal kritisch unter die Lupe genommen. „Where does all the madness live?“

Schon als Studentin haben mich diese Fragen beschäftigt. Wer erzeugt eigentlich den „Wahnsinn“ in uns? Wir selbst? Das Gehirn? Das Umfeld, in dem wir leben? Und wann gilt etwas überhaupt als abnormal – und nach welchen Kriterien entscheiden wir das?
Gibt es den durchschnittlichen Menschen überhaupt?

Musik, inspiriert von der Psychologie, mit Raum für Wiedererkennen, Staunen und Verständnis. Denn hinter jeder Klassifikation steht ein Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte.

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UNTER DER NADEL

Reise durch das Diagnostic and Statistical Manual (DSM)

Auf Spotify hören
Where does all the madness live?
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